Archiv der Kategorie: Aktienbewertungen

Bewertungen börsennotierter Unternehmen

Tesla: Wie die Analysten helfen (/halfen?), die Story am Leben zu halten

Ich habe kürzlich eine Grafik auf Twitter veröffentlicht, die darstellt, wie die Analysten von Jahr zu die Zukunft von Teslas Profitabilität sehen (mein vorheriger Artikel dazu findet sich hier), und wie sie sich dann tatsächlich entwickelt hat:

Tesla Earnings per Share (EPS): Die Realität (in rot) und die jeweiligen Konsensus-Vorhersagen der Analysten

Dargestellt sind die jeweiligen Konsensus-Analysten-Vorhersagen für die Earnings per Share der nächsten Jahre (gestrichelte Linien), und die tatsächliche Entwicklung der EPS (rote Linie).

Die Analysten haben also von Jahr zu Jahr, trotz des offensichtlichen Verfehlens ihrer eigenen Prognosen, an der optimistischen Story festgehalten – und tendenziell sind die prognostizierten Gewinnsteigerungen sogar aggressiver geworden, während die realen Verluste sich vergrößert haben.

Unabhängig von der Frage, ob dies nun dem naiven Optimismus oder der Unmöglichkeit einer negativen Prognose geschuldet ist, stellt sich die Frage, ob der kontinuierliche Optimismus der Analysten nicht einen großen Teil dazu beigetragen hat, dass Elon Musk mehrere Milliarden an Kapital einwerben konnte, um ein strukturell unprofitables Geschäftsmodell zu skalieren.

Ich bleibe dabei: Tesla ist weit überbewertet, da es

  • das mögliche Wachstum im Markt für elektrische Fahrzeuge weit überschätzt hat
  • deshalb auf zu großen Kapazitäten sitzt, deren Produkte sie nur mit Rabatten an den Mann bringen kann
  • den Preispunkt seiner Fahrzeuge bereits ohne Rabatte zu niedrig gewählt hat, um in den nächsten Jahren damit profitabel zu werden
  • durch das nun verstärkte Kostenmanagement die Service-Qualität so weit senkt, dass die Kunden nachhaltig frustriert und die Marke beschädigt wird.
  • Der Traum von integrierten Nachhaltigkeitskonzern nicht umsetzbar ist, da im Bereich Solar und Batteriespeicher kein Alleinstellungsmerkmal vorliegt

Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird – aber der faire Wert ist maximal zweistellig. Aber:

«Der Markt kann länger irrational bleiben als Sie liquide.» 

John Maynard Keynes, Ökonom (1883 – 1946)

Teva Pharmaceuticals: Nach dem Kater beginnt das Aufräumen!

Zusammenfassung

  • Teva Pharmaceuticals ist der größte globale Generika-Hersteller (u.a. Mutter von ratiopharm), der nach einer Serie von kreditfinanzierten Akquisitionen mit der Konsolidierung im Generika-Markt zu kämpfen hat
  • Das Unternehmen ist relativ hoch verschuldet, kämpft gegen starke Wettbewerberprodukte bei seinen Blockbustern, und war bis vor kurzem relativ gelähmt durch ein Management, das die Misere selbst kreiert hat und ein kompliziertes Stakeholder-Umfeld
  • Seit September 2017 hat der erfahrene Pharma-Manager Kare Schultz die Position des CEOs übernommen und führt das Unternehmen durch einen harten Restrukturierungsprozess, wobei inzwischen die ersten Ergebnisse sichtbar werden
  • Wird der Sanierungskurs erfolgreich fortgesetzt, erwarte ich einen fairen Wert je Aktie von 28-34 USD (d.h. +17-43 % vs. heute)

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Der Fall Tesla: Wie Filterblasen das Value Investing verändern

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel gelesen, in dem der Tod des Value Investing prophezeit wurde (was zum Ende eines Bullenzyklus an der Börse nicht ungewöhnlich ist). Interessant war die Begründung dafür: Dadurch, das Informationen durch das Internet einfach und zeitnah verfügbar sind und zahlreiche Quant-Algorithmen Unternehmens- und Börseninformationen flächendeckend durchforsten, sei die Wahrscheinlichkeit für Fehlbewertungen im Markt deutlich gesunken, da sie unmittelbar aufgedeckt und korrigiert werden.

Ob das wirklich so stimmt, kann ich nicht beurteilen. Was ich in den letzten Monaten jedoch fasziniert beobachtet habe, das ein anderer Aspekt der Digitalisierung neue Optionen für das Value Investing bietet: Nämlich Filterblasen. Sehr anschaulich zu beobachten am Beispiel von Tesla.

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Clinuvel Q4 FY17/18: Umsatz +66% vs Vorjahreszeitraum, stabil hohe Margen

Clinuvel hat heute Quartalszahlen für das Q4 des Geschäftsjahres 17/18 veröffentlicht, das am 30. Juni 2018 endete.
Dabei konnte Clinuvel dank der fortgesetzten Marktdurchdringung bei EPP in Europa Rekordumsätze von 10,4 Millionen AUD (+66% vs Vorjahresquartal) verbuchen, mit einer Free-Cash-flow Marge von 71%. Clinuvel hat inzwischen einen Netto-Barbestand von 36 Mio AUD – das entspricht ca. 6% der Marktkapitalisierung. In Summe also ein sehr erfolgreiches Quartal. Saisonal dürften das Folgequartal leicht schwächer ausfallen, bevor es dann wieder in die Wintersenke geht – deshalb verwende ich immer die rollierenden 12 Monate, um die saisonalen Effekte auszugleichen. Hier die Historie der Daten im Überblick:

Clinuvel: NDA ist eingereicht, Ergebnis im ersten Halbjahr 2019 zu erwarten!

Clinuvel Pharmaceuticals hat heute nacht bekannt gegeben, dass sie den Zulassungsantrag (NDA) für das Präparat Scenesse bei der US-amerikanischen Aufsicht (FDA) eingereicht haben. Bis Ende August wird die FDA entscheiden, ob ein beschleunigtes Zulassungsverfahren (Priority Review) Anwendung findet; danach dauert es 6-10 Monate bis zur finalen Entscheidung. Das heißt, mit einer US-Zulassung ist von Anfang März bis Ende Juni 2019 zu rechnen!

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Erster unabhängiger Research-Report für Clinuvel: Sphene Capital startet Coverage mit Kursziel 20,67 EUR


Nachdem die Investor-Relations-Arbeit von Clinuvel in den letzten Jahren auf sehr niedrigem Niveau verharrte, freue ich mich, dass nun der Gründer des Research Hauses Sphene Capital, Peter Thilo Hasler (unter anderem Autor von Aktien richtig bewerten: Theoretische Grundlagen praktisch erklärt), die Coverage für Clinuvel Pharmaceuticals aufgenommen hat. Er ermittelt in seiner ersten umfangreichen Analyse ein Kursziel von 31,70 AUD/Aktie (20,67 EUR/Aktie).

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Scenesse in UK: NICE ist Scenesse zu teuer

Die UK-Behörde NICE, die mit der Zulassung von Medikamenten und der Erstattung durch die Krankenkassen in Großbritannien beschäftigt ist, empfiehlt nach einem vorläufigen Report, Scenesse in Großbritannien nicht zur Behandlung von EPP zuzulassen, da ihnen der Zugewinn an Lebensqualität nicht im richtigen Verhältnis zu den Kosten der Behandlung steht.

Dies ist zwar noch keine endgültige Entscheidung – die finale Entscheidung wird für den Mai 2018 erwartet – dennoch ist es ein Rückschlag für Clinuvels Bemühungen, Scenesse in Europa flächendeckend als neuen Standard zu etablieren.

Der vorläufige Report (mehr als 400 Seiten) beschreibt jedoch auch sehr bildhaft, welchem Leiden die Patienten ausgesetzt sind und wieviel Linderung die Behandlung mit Scenesse ihnen bringt (beschrieben in Form von Zitaten der Patienten), und enthält auch einige Experten-Statements, die bestätigen, dass Scenesse eine wirksame Behandlungsmöglichkeit für EPP darstellt.

Ob NICE hier ggf. nur Druck aufbauen will für erneute Preisverhandlungen (um Clinuvel vom Einheitspreis wegzubringen), oder ob man den britischen Markt abschreiben muss, bleibt abzuwarten und wird sich erst im Laufe des ersten Halbjahres 2018 klären.

 

 

Clinuvel beantragt Patent für Afamelanotid bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems

Dies dürfte Aktionäre von Clinuvel freuen:

Clinuvel beantragt in den USA ein Patent zur Anwendung von Afamelanotid bei Erkankungen des zentalen Nervensystems (Patentantrag), z.B. für Demenz, Alzheimer, Multiple Sklerose, Parkinson, oder auch ALS (Amyotrophic Lateral Sclerosis) – das ist die Krankheit, für die im Rahmen der bekannten „Ice Bucket Challenge“ im Jahr 2014 Spenden eingeworben werden sollten.

Bisher hatte Clinuvel (zuletzt auf der Aktionärsversammlung in 2016) betont, dass sie zahlreiche weitere potentielle Anwendungen im Bereich der Photoprotektion (Schutz der Haut vor UV-Strahlen) sehen. Mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems tut sich hier ein neues, sehr breites Anwendungsgebiet auf, dass aber im Pharma-Sektor auch starkem Wettbewerb unterliegt.